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170708 Schweitzer

Die Saison 2017/18 der ADMIRAL Basketball Bundesliga steht vor der Tür. Vom neugewählten Präsidium wurden im Sommer einige Änderungen umgesetzt. Zeit, um gemeinsam mit ABL-Präsidenten Karl Schweitzer einen Ausblick auf die kommende Saison zu wagen: Auf die wegweisenden Entscheidungen in den letzten Monaten: wie Lizenzierung, neuer Modus aber auch die Wichtigkeit eines starken Nationalteams oder der Plan für die nächsten drei Jahre.

Das neue Lizenzierungsverfahren brachte Einschränkungen beim Legionärskontingent der ABL-Teams. Sieben von neun Vereinen können das erlaubte Maximum an Ausländern (fünf; Anm.) nicht ausschöpfen. Was steckt hinter dieser Entscheidung?

„Vorweg freue ich mich sehr, dass alle neun Vereine die Lizenz für die kommende Saison erhalten haben. Bei einigen Teams waren zum Schutz der Klubs Legionärsbeschränkungen notwendig, damit sich diese finanziell nicht übernehmen.

Die Vergangenheit hat uns gelehrt, gemeinsam mit den Klubs rechtzeitig finanziellen Risiken vorzubeugen. Außerdem bekommen dadurch junge Österreicher die Chance auf mehr Spielzeit. Wir haben gesehen, dass einige Teams meist zu kurzfristig – oft nur für eine Saison – geplant haben. Der Großteil des Budgets wurde dabei für Legionäre aufgebraucht. Viele andere unglaublich wichtige Aspekte kamen dabei zu kurz. Die Nachwuchsarbeit hatte nicht den Stellenwert, den es für die langfristige Entwicklung der Spieler, Klubs und somit auch für die Liga benötigt. Auch im Trainerbereich, in der Spieltagsgestaltung und im Marketing wurde oft am falschen Platz gespart. Genau in diesen beiden Bereichen sind allerdings Nachhaltigkeit und Investments für die Zukunft gefragt. Die neuen Lizenzierungsauflagen sollen dazu führen, dass genau diesen Bereichen ein größeres Augenmerk geschenkt wird, um den Basketballsport in Österreich nachhaltig weiterzuentwickeln. Die Transparenz in der Kommunikation ist uns dabei sehr wichtig.“

Durch die Legionärsbeschränkung steigt der Marktwert der heimischen Spieler. Wie wird dennoch gewährleistet, dass die Klubs im Rahmen ihrer budgetären Möglichkeiten bleiben?

„Der überproportional steigende Marktwert der Österreicher ist das Resultat davon, dass bisher zu wenig in den Nachwuchsbereich investiert wurde. Das Problem liegt Jahre zurück – deswegen muss ein Umdenken besser heute passieren als morgen. Der große langfristige Plan eines Klubs sollte immer auf der Nachwuchsarbeit basieren. In der Vergangenheit war oft die Fluktuation der Spieler zu hoch. Das brachte mehrere Probleme mit sich. Österreicher wurden zu wenig gefördert, worunter auch die Identifikation mit Spielern und somit auch mit den Klubs litt. Es ist ganz entscheidend junge Talente zu finden, diese auszubauen um wieder local heros zu schaffen. Wenn rechtzeitig an den richtigen Stellen investiert wird, löst sich dieses Problem von alleine. Das benötigt allerdings Zeit und die notwendige Weitsicht. Natürlich wurde die wirtschaftliche Situation in den letzten Jahren nicht leichter. Man muss vor den Verantwortlichen den Hut ziehen und den größten Respekt aussprechen, dass sie trotz schrumpfender Budgets immer wieder Lösungen gefunden haben.“

Die zweite große Änderung ist der neue Modus. Es wird in der kommenden Saison mindestens einen Fixabsteiger aus der ABL geben. Wieso ist dieser Schritt notwendig?

„Es ist natürlich Priorität der Liga, im Rahmen der Budgetmöglichkeiten der Klubs, eine höchstmögliche sportliche Attraktivität zu gewährleisten. Seit einiger Zeit konnte kein Klub aus der ABL absteigen. Einige Klubs haben diese Zeit auch genutzt, um bereits erste wichtige Schalter in der Nachwuchsarbeit zu betätigen. Nun ist es das Ziel in den nächsten Jahren einen Austausch zwischen Admiral Basketball Bundesliga und ZWEITE Basketball Bundesliga zu erleichtern, um den Sport noch interessanter zu machen. Dadurch wird auch die Dichte der Teams erhöht, was zur Attraktivität der Meisterschaft entscheidend beiträgt. In der Vergangenheit haben einige Klubs aus der 2BL die Möglichkeit des Aufstiegs ungenutzt gelassen. Für die weitere Zukunft haben aber einige Teams ihre Aufstiegsambitionen wieder deutlicher geäußert. Nicht alle Klubs in der Admiral Basketball Bundesliga stehen auf wirtschaftlich gesunden Beinen. Die Maßnahmen die wir gesetzt haben, sollen es den Teams erleichtern sich zu erholen. Gelingt dies allerdings nicht, stehen weitere Teams in der Zweiten Basketball Bundesliga bereits in den Startlöchern.

Bleiben wir gleich beim Thema 2BL: wie bewerten Sie die Entwicklung der zweiten Spielklasse unter dem Schirm der ABL?
„Ich bin sehr glücklich über die Entwicklung der 2BL. Obwohl es sich großteils um eine Amateurliga handelt, ist das Niveau beachtlich. Man hat in der vergangenen Saison im Cup-Achtelfinale gesehen, dass der Unterschied zwischen den Top-Klubs der 2BL und so manchem Klub der ABL nicht so groß ist, wie so mancher glauben möchte. Auch das Finale zwischen den Raiders Villach und St. Pölten war auf hohem sportlichen Niveau. Neben der Aufstiegsmöglichkeit in die ABL wäre ein nächster wichtiger Schritt, auch von den Landesverbänden einen größeren Austausch mit der 2BL zu gewährleisten. Um dies umsetzen zu können, benötigt es eine gute Zusammenarbeit mit den jeweiligen Verbänden."

Springen wir von der 2BL auf europäisches Top-Niveau. Wie wichtig ist es für die Liga, dass die ece bulls Kapfenberg in der FIBA Basketball Champions League, nochmals eine internationale Klasse höher als ABL Vereine bisher, spielen?
„Zum Glück haben wir es soweit geschafft, dass der Meister in der Basketball Champions League spielt. Aber auch andere Klubs haben erkannt, dass es Sinn macht an einem internationalen Bewerb teilzunehmen. Immerhin spielen neben Kapfenberg auch Klosterneuburg, Wien und Graz international. Ich bin den Klubs sehr dankbar, dass sie in diesen Bewerben tätig sind. Das ist eine gute Werbung für den Österreichischen Basketball. Außerdem haben wir in den letzten Jahren gesehen, dass der sportliche Unterschied zwischen ABL-Klubs und den Klubs manch besser eingeschätzten Ligen, gar nicht so groß ist und teilweise sogar gewonnen haben. Das muss wertgeschätzt werden, immerhin reden wir hier von Teams mit einem deutlich größeren Budget und besseren Rahmenbedingungen. Schlussendlich wird den Fans ein internationaler Sport um wenig Geld geboten. Auch die Klubs und die Spieler können nur davon profitieren. Ich würde mich sehr freuen, wenn die international tätigen Klubs, auch in dieser Saison wieder aufzeigen können und die eine oder andere Runde überstehen.“

Bleiben wir beim Thema Internationalität: Welchen Stellenwert hat das Nationalteam für die ABL?
„Das Nationalteam ist unglaublich wichtig für die Attraktivität der Liga. Das aktuellste Beispiel dafür ist der Frauenfußball. Seit dem Erfolg bei der Europameisterschaft gibt es von vielen Seiten einen wahren Hype auf Frauenfußball. Nicht nur, dass die Medien jetzt auf einmal dieser Sportart viel Aufmerksamkeit schenken, sondern vielmehr bewegte der Erfolg auch eine Vielzahl an jungen Mädchen aktiv zu werden. Eine ähnliche Erfolgsgeschichte wäre natürlich auch beim Basketball wünschenswert. Hier ist natürlich wieder die Nachwuchsarbeit der Klubs gefragt, die wir mit der neuen Lizenzierung fördern möchten. Umso mehr Österreicher in die Rotation eingebaut werden, desto stärker wird das Nationalteam. Erste Erfolge geben den Klubs und uns bereits recht. Immerhin ist es so, dass es in den letzten Jahren einige Österreicher zu namhaften Klubs im Ausland geschafft haben. Dadurch wurde das Nationalteam interessanter und bekam eine größere Aufmerksamkeit. Die nächste Qualifikationsrunde bringt uns mit Deutschland, Serbien und Georgien drei attraktive Gegner und aktuelle EM-Teilnehmer – und Serbien steht gerade im Finale der Europameisterschaft. Leider ist es aufgrund der international-breaks nicht möglich, dass die Teams in Bestbesetzung antreten. Das ist natürlich für die Außenwirkung nicht förderlich. Ich als Ligaverantwortlicher habe größtes Interesse, dass das Nationalteam auf lange Sicht immer besser wird und, dass viele weitere Österreicher den Sprung ins Ausland schaffen. Es muss das Ziel sein, die ABL als Ausbildungsliga zu etablieren.“

Sie wurden diesen Sommer als Präsident der ADMIRAL Basketball Bundesliga für weitere drei Jahre bestätigt. Was waren die bisher größten Erfolge und was soll in den nächsten drei Jahren passieren?
„Wir haben mit Admiral, Sky, Snickers und Icewatch mehrere großartige Partner für die ABL gewonnen, mit denen wir seit Jahren gut zusammenarbeiten. Mit Admiral und Sky beträgt die Laufzeit mindestens noch zwei Jahre – teilweise mit Option auf Verlängerung. Alle Partner haben größtes Interesse, dass die Liga sich stetig weiterentwickelt. Es wurden Bonusvereinbarungen getroffen, die wir in der vergangenen Saison großteils erfüllen konnten. So konnten unteranderem der Medienwert der Liga und die Einschaltquoten bei Sky gesteigert werden. Was mir für die Zukunft besonders wichtig ist, ist der Bereich des Streamings. Es ist uns gelungen für die kommende Saison einen äußerst günstigen Vertrag mit Keemotion abzuschließen. Während es bei Sky mit dem Sky Ticket schon erste Möglichkeiten gibt, die in Zukunft weiter ausgebaut werden sollen, werden wir in dieser Saison zwei weitere Systeme testen, um ein Streaming von allen Spielen zu ermöglichen. Wir müssen bereits jetzt die Weichen stellen, um das Produkt gut zu vermarkten. Für die Saison 18/19 sind bereits erste Entwicklungen geplant.

Aber auch im sportlichen Bereich sind weiter Entwicklungen geplant. Ich wünsche mir, dass im Trainerbereich der Schritt zu mehr Professionalität erfolgt. Es braucht mehr Professionisten, die bereits bei den Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden. Wenn Verband und Vereine nicht rechtzeitig anfangen die Grundvoraussetzungen auszubauen, wird es schwer junge Leute zum Basketball zu bekommen.

Zu guter Letzt bleibt noch zu sagen, dass ich das Glück habe mit meinem sehr guten Kernteam schon lange zusammenzuarbeiten. Die Kontinuität ist einer der Gründe für den Erfolg der ABL."